IMMUNSYSTEM

Das Immunsystem, vom lateinischen “immunis” für „rein“ (im Sinne von „rein von Infektionskrankheiten”), ist der Verteidigungsmechanismus des Körpers. Seine primäre Funktion ist es, diesen vor Angriffen durch Viren, Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen aus der Umwelt zu schützen. Trotz dieser scheinbar simplen Definition zählen die Körper- und Zellstrukturen sowie die damit verbundenen biochemischen Prozesse, welche den Schutz vor pathogenen Erregern gewährleisten, zu den komplexesten des kompletten Organismus; so komplex, dass die Wissenschaft erst während der letzten zehn Jahre begonnen hat, seine tatsächliche Arbeitsweise zu verstehen.

Das Immunsystem besteht aus einem über den ganzen Organismus verteilten dichten Geflecht aus Organen, Gewebe und spezifischen Zellen. Die einzelnen Bestandteile sind durch den Blutkreislauf und das Lymphatische System miteinander verbunden und besitzen die Fähigkeit, sowohl exogene als auch endogene Strukturen, die sich als schädlich herausstellen und damit  eliminiert werden müssen, zu erkennen.

Das Immunsystem lässt sich je nach Erkennungsweise der Antigene  in zwei verschiedene Wirkmechanismen unterteilen:

  • angeborene oder unspezifische Immunabwehr: Dazu zählen anatomische und physiologische Barrieren wie Epithelien, aber auch zellvermittelte Gegenwehr durch Phagozytose, sowie allgemein entzündliche Reaktionen und das Komplementsystem;
  • adaptive oder spezifische Immunabwehr: Beinhalten chemische und zelluläre Botenstoffe, die eine gezieltere und stärkere Immunreaktion hervorrufen und in der Lage sind, jegliche Art von Antigenen zu erkennen

Dieser zweite Teil des Immunsystems ist vor allem gegen mikrobielle Angriffe der effektivste und wirksamste. Er agiert hauptsächlich mittels einem Typ Zelle: den Lymphozyten, die sich wiederum je nach zu bekämpfendem Antigen unterscheiden. Wenn der Aggressor ein Virus oder ein intrazelluläres Bakterium (Tuberkulose, Salmonellen, etc.) ist, wird ein TH1-Lymphozyt (Typ1-T-Helferzelle) aktiviert, basiert eine Infektion jedoch auf extrazellulären Bakterien (der Großteil aller Bakterien), Mykosen oder aber körperfremden schädlichen Stoffen (Stoffe, die als nicht körperfreundlich erkannt werden wie z.B. Makromoleküle aus der Verdauung, die nicht komplett zersetzt wurden) folgt ein Ausstoß von TH2-Lymphozyten (Typ2-T-Helferzellen).

Bei einem gesunden Individuum befindet sich dieses System (TH1– TH2) im Gleichgewicht. Im Moment eines Angriffs spezialisiert sich das System also abhängig vom Mikroorganismus auf einen der Typen, um später wieder zum Ausgangszustand zurückzukehren.

Probleme treten dann auf, wenn sich das System dauerhaft im Ungleichgewicht befindet. Jüngste Forschungen haben ergeben, dass Menschen, deren Immunsystem konstant einen TH1-Überschuss vorweist ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung von Autoimmunkrankheiten (Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Diabetes Mellitus, Zöliakie)  haben, während bei Menschen, deren TH2-Gehalt überwiegt, eine höhere Wahrscheinlichkeit allergischer Reaktionen vorzuweisen ist. Zusammenfassend sollten nun die Bedeutung des Gleichgewichts des Immunsystems und vor allem dessen Einfluss auf die Gesundheit des Individuums deutlich geworden sein.

Ein ausgewogenes Immunsystem zu haben heißt sowohl eine höhere Wahrscheinlichkeit, Erkrankungen direkt zu vermeiden als auch, im Falle einer Infektion, eine gute Chance diese schnell und komplikationslos zu überwinden.